Orangen-Zwergkrebs - Orange Lobster

Cambarellus patzcuarensis

(Villalobos, 1943)

Originalbeschreibung: Annales del Instituto Biología, Universidad Nacional Autonoma de Mexico 14(2): 587-611.

Der Orangen-Zwergkrebs oder auch seit kurzem verkaufsfördernd "orange lobster" genannt, erfreut sich dank seines freundlichen Wesens schon seit 4-5 Jahren  regen Zuspruchs in der Wirbellosenszene. Wo findet man schon einen für den Süßwasseraquarianer so gut geeigneten Krebs, welcher neben seiner äußerst attraktiven Farbe, der geringen Größe u. der relativ leichten Züchtbarkeit auch noch ein verhältnismäßig  friedliches (für Krebse versteht sich) Wesen mitbringt. Leider kann man (trotz der "vielen Angebote" in den Kleinanzeigen versch. Wirbellosenportale) noch immer nur sehr wenige Tiere (besonders Weibchen) erwerben. Dies mag daran liegen, das die Zucht und die daran anschließende Aufzucht einer größeren Menge dieser Krebse, nur relativ wenigen Krebshaltern bisher gelingt. Ein Grund, welcher hierfür maßgeblich zu sein scheint, ist die schlechte Versorgung der Halter mit Fachliteratur, welche die Biologie dieser Art beschreiben sollte. Selbst in aktuell erschienenen Krebsbüchern und diversen Wirbellosenhomepages werden meist nur "schöne Fotos" eingestellt und mit Minimalinformationen (Verbreitungsgebiet, Größe, Eizahl und das war´s meistens auch schon) geglänzt! Um diese "Lücke" ein wenig zu schließen, wird Stück für Stück der Artikel mit meinen Erfahrungen gefüttert.

Das Vorkommensgebiet der Nominatform des Orangen-Zwergkrebs:

Cambarellus patzcuarensis stellt eine endemische (nur in einem begrenzten Verbreitungsgebiet vorkommende Species) Krebsart dar, welche ausschließlich im Lago de Pátzcuaro (Bundesstaat Michoacán/Mexiko) vorkommt (evtl. noch in der näheren Umgebung in Tümpeln, Weihern, Bächen etc.). Der Urform des Orangen-Zwergkrebses bewohnt dort  benthische Bereiche (Gewässerboden), die überwiegend mit Schlamm bedeckt sind. In relativ kühlem Wasser (man bedenke, das der See relativ hoch gelegen ist) wächst der graubraune, manchmal mit Streifen oder Punkten bedeckte Krebs heran. Durch die steigende Urbanisierung rings um den See herum, werden ständig große Mengen an Fäkalien und Industrieabwässern in den See geleitet. Dies führte in den letzten Jahren dazu, das das früher oftmals klare Wasser nun einer grau-grünen (starke Planktonvermehrung) Wassermasse gewichen ist. Der Krebs ernährt sich überwiegend von Detritus, Mikroorganismen, absterbenden Wasserpflanzen, Mückenlarven, Wasserschnecken (nur verendete) etc.

Limnologische Parameter des Lago de Pátzcuaro:

Der Lago de Pátzcuaro hat eine Ausdehnung von 9000ha mit einem geschätzten Gesamtwasservolumen von 500x10 m³. Die durchschnittliche Wassertiefe des Sees beträgt 4,9m, die tiefste Stelle erreicht gerade mal 12,3m. Die Leitfähigkeit übers Jahr gemittelt beträgt 800ms. Die Jahrestemperaturen reichen von 15°C-25°C Wassertemperatur. Der pH Wert des Sees schwankt nur schwach zwischen 8.9-9.1. Der Sauerstoffgehalt ist mit 4-7.3 als durchschnittlich zu bewerten, sinkt aber durch die fortwährende Einleitung von Industrieabwässern und der daraus resultierenden Wasserblüte (Massenvermehrung von Phytoplankton durch zu hohen Nährstoffeintrag). Die Wasserhärte (°dGH) schwankt mit 12.5-18 sehr stark. Die Trübung erreicht einen Wert von 0.2-0.5m, was mit der ständig steigenden Eutrophierung des Gewässers durch umliegende Gemeinden (Abwässer der Siedlung u. Industrie), dem steigenden Einsatz von Kunstdünger u. Pestiziden zu tun hat, entspringt also anthropogenen Ursprungs. Gespeist wird der See überwiegend durch Niederschlag u. Grundwasserströme. Im See finden sich außerdem verschiedenen kleine Inseln (La Pacanda, Yunuén, Tecuén, Janitzio, Urandén Morelos, Urandén Morales und Jarácuaro).

Klima rund um den Lage Pátzcuaro:

Das Klima ist subhumide mit sommerlichen Regenfällen. Die Temperaturen reichen vom 14-20°C, der annuelle Niederschlag beträgt 700-1400mm. Die Evaporationsrate (Verdunstung) erreicht bis zu 800mm.

Charakteristische Flora im Lago de Pátzcuaro :

Uferpflanzen:

Arbutus xalapensis, Clethra mexicana, Garrya laurifolia, Pinus lawsonii, P. leiophylla, P. michoacana, P. montezumae, P. pseudostrobus, Quercus candicans, Q. castanea, Q. crassipes, Q. gentryi, Q. laurina, Q. obtusata, Q. rugosa u. a.

Aquatische Vegetation:

Bacopa monnieri, xuturi Berula erecta, tripa de pollo Bidens aurea, B. laevis, bejuquillo Ceratophyllum demersum, Cyperus niger, C. semiochraceus, Eleocharis montevidensis, Hydrocotyle ranunculoides, Limnobium laevigatum, Lemna gibba, Najas guadalupensis var. guadalupensis, Nymphaea mexicana, Oxycaryum cubense, Platanthera limosa, Potamogeton illinoensis, putzuri delgado P. pectinatus, Ranunculus dichotomus, Sagittaria latifolia latifolia, S. platyphylla, Scirpus californicus, S. validus, Spirodela polyrrhiza, tule Typha domingensis, T. latifolia, Utricularia macrorhiza, Wolffia brasiliensis, Wolffiella lingulata, Salix bonplandiana y Taxodium mucronatum u. a.

Charakteristische Fauna:

Fische:

Algansea monticola, A. tincella, Alloophorus robustus, Allotoca diazi, A. meeki, A. regalis, Chirostoma aculeatum, C. arge, C. estor, C. humboldtianum, C. labarcae, C. lucius, C. sphyraena, Hubbsina turneri, Moxostoma austrinum, Neoophorus diazi, Skiffia multipunctata, Xenotoca eiseni, X. variata, Yuriria alta, Zoogonecticus quitzeoensis u. a.

Wie kam es zur Orangen Farbe?

Die orangene Zuchtform stammt von der Nominatform des Cambarellus patzcuarensis ab und wurde wahrscheinlich von Brian Kabbes vor ca. 4-5 Jahren nach Deutschland eingeführt. Die Herauszüchtung der orangen Farbe verdanken wir Juan Carlos Merino (Holland), bei dem die Variante zum erstenmal auftrat und sich seither langsam verbreitet. So jedenfalls wird es in diversen Foren diskutiert...?

 

Häutung:

Hier werden demnächst noch ausführlich die physiologischen Vorgänge während einer Häutung erläutert!

    Die Häutung stellt für den Krebs eine der gefährlichsten Momente in seinem Leben dar. Um an Größe zunehmen zu können, muss der Krebs seine alte, zu klein gewordene "Rüstung" abwerfen und gegen eine neue, erweiterte austauschen. Ca. eine Woche vor dem eigentlichen Häutungsakt (welcher im Normalfall nur wenige Sekunden dauert) stellt der Krebs seine Nahrungsaufnahme ein. Es erfolgt nun eine Reihe von physiologischen Prozessen: Nervenendigungen werden zurückgezogen, eine schleimartige Schicht trennt die alte Haut von der Neuen, durch rhythmisches Pumpen der Hämolymphe (entspricht dem Blut wie wir es kennen) im gesamten Körper lösen sich langsam alle alten Häute. Aber auch die Kiemen u. Teile des Darms werden erneuert bzw. vergrößert. Nachdem der Krebs aus seiner alten Hülle befreit ist (man nennt dies nun Butterkre bsstadium) muss der neue Panzer innerhalb einiger Tage aushärten. Die Anzahl der Häutungen hängt von der Krebsart, dem Alter der Tiere, der Wassertemperatur, dem Ernährungszustand etc. ab. Jedoch häuten sich alte Krebse meist nur noch ein- bis zweimal im Jahr, wohingegen junge Krebse sich fast monatlich häuten. Zur erfolgreichen Aufzucht (bis 2cm) sollte unbedingt ein Difusor eingesetzt werden, da es bei zu geringer Sauerstoffversorgung häufig zu Fehlhäutungen kommt!

Fortpflanzung:

Die Geschlechtsreife tritt beim Orangen Zwergkrebs aufgrund des geringen Lebensalters relativ früh ein. Zwischen dem 3-4 Monat  (15-20mm) werden die Tiere geschlechtsreif, jedoch ist dies auch stark vom Ernährungszustand abhängig.  Kurz nach der letzten Häutung der Weibchen werden diese vom Männchen verfolgt u. meist mit "Gewalt" auf den Rücken gedreht. Das Männchen übergibt nun mit seinen "Begattungsgriffeln" ein Sperma-Paket in Form einer Spermatophore in die Nähe der weiblichen Geschlechtsöffnung. Nach ca. 4-30 Tagen (wiederum abhängig von der Wassertemperatur etc.) erfolgt der Ausstoß der Eier. Das Weibchen stößt nun die Eier mit Hilfe einer schleimartigen Masse (das sogenannte Schleimzelt) ab, welches die verhärtete Spermatophore des Männchens langsam auflöst u. schließlich die eigentliche Befruchtung der Eier stattfindet. Der Vorgang des Ausstoßens der Eier kann mehrere Stunden dauern, findet jedoch meist in der Nacht statt. Die Eier werden bei diesem Vorgang an die Pleopoden (Schwimmfüße) geklebt (Glykoproteide). Nach dem Vorgang der Eiabgabe (meist um die 20-60 Eier, ist vom Habitus des Weibchens abhängig) erfolgt die eigentliche Arbeit für das Weibchen. Sie muss die Eier mit Sauerstoff versorgen, was durch ständige Ruderbewegungen der Pleopoden geschieht. Außerdem werden vom Weibchen aktiv unbefruchtete, bzw. abgestorbene Eier u. Embryonen entfernt, um eine Verpilzung des gesunden Geleges zu verhindern. Nach ca. 3-5 Wochen schlüpfen aus den grünen, gelben, weißen oder grauen Eiern fertige kleine Ebenbilder ihrer Eltern. Die Eifarbe ist nach meinen bisherigen Erkenntnissen werden vom Futter, noch von der Färbung der Elterntiere abhängig, ja, varriiert sogar von Geleg zu Gelege des selben Weibchens. Die Aufzucht kann beginnen...

Zuchtvorschläge und Halungstipps:

Da mir diese Variante unter den Krebsen sehr am Herzen liegt, halte und züchte ich die Tiere in rel. großen Mengen. Um auch anderen ein wenig an meinem sehr guten Zuchterfolgen teilnehmen zu lassen folgen nun ein paar Zuchttips, Haltungsvorschläge, Fütterungshinweise etc. Ich weise allerdings darauf hin, das dies lediglich meinem Erfahrungsschatz entspringt, keinesfalls als allgemeingültig zu sehen ist!

Das "ideale" Krebsbecken

Die Art lässt sich auf Grund der geringen Größe auch in rel. kleinen Becken pflegen, jedoch sollte die Mindestgröße ein 60 Liter Becken darstellen. In einem Becken dieser Größenordung lassen sich -gut strukturiert vorrausgesetzt- ca. 10-20 adulte Tiere plus Nachwuchs halten. Die Populationsgröße regelt sich übrigens bei einer Überbesetzung sehr schnell selbst, es kommt dann sehr häufig zu Kannibalismus. Als Untergrund kann jedes beliebige Material eingesetzt werden (Sand, Kies etc., Korngröße ist unwichtig). Das Becken sollte gut bepflanzt werden (Javamoos, Teichlebermoos, Süßwasser-Farn, Monosolenium tenerum etc. habe ich in meinen Becken). Moorholz sollte nicht fehlen, da der Nachwuchs hier viele Mikroorganismen in den ersten Lebenstagen fängt! Das Teichlebermoos (Schwimmpflanze) wird täglich gerne aufgesucht, um abgestorbene Pflanzenteile zu vertilgen, außerdem wird gerne auch in gut mit Sauerstoff gesättigten Becken, Luftsauerstoff aufgenommen. Wichtig erscheint mir ein gut durchlüftetes Becken zu sein. Der Hamburger Mattenfilter (HMF) hat sich hier sehr bewährt. Eine Heizung wird nicht benötigt, da die Tiere in ihren heimatlichen Biotopen eher kühlere Temperaturen ausgesetzt sind (was jedoch nicht immer das Optimum für den jeweiligen Organismus darstellt!).

Aufzucht bis zur Geschlechtsreife

    Die Aufzucht der Jungkrebse ist sehr leicht und sollte auch unerfahrenen Anfängern in der Krebshaltung relativ gut gelingen. Einige Dinge sollten jedoch beachtet werden und werden nun diskutiert:

Temperatur:

    Das optimalste Wachstum mit geringster Mortalitätsrate hat sich in meiner Zucht bei ca. 26°C eingestellt. Bei dieser Temperatur erfolgten in den ersten Wochen fast täglich Häutungen und das Wachstum kann von Tag zu Tag mitverfolgt werden. Da die im heimatlichen Vorkommensgebiet vorherrschenden Temperaturen nicht immer das Optimum für die jeweilige Art darstellen, ist man häufig überrascht, das Arten bei abweichenden Temperaturen (auch nach unten!) wesentlich zügiger wachsen! Dies trifft häufig auch auf Fische zu. Man muss hier einfach ein wenig experimentieren und die Temperatur auf die jeweiligen Wasserchemiewerte einstellen.

Wassserchemie:

   Um Häutungsprobleme zu vermeiden, sollten folgende Punkte unbedingt beachtet werden: PH Wert sollte nicht zu niedrig liegen, 7-8,5; Die Gesamthärte sollte so gewählt werden, das es den Tieren erlaubt, den erforderlichen "Kalk" für die Einlagerung ins Exoskelett aus dem Wasser zu entnehmen. Falls dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, muss auf zusätzliche Gaben übers Futter geachtet werden. Ein Wasserwechsel sollte übrigens im Wochenrhythmus erfolgen und nicht wie oft (auch in sogenannten Fachzeitschriften) zu lesen ist, "alle drei Wochen mal 20 Prozent der Gesamtwassermenge". Unter solchen Bedingen vegetieren die Krebse am Existenzminimum, vom Gedeihen kann hier keine Rede sein. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, das der Eimer des Aquarianers den besten Filter darstellt! Wer beim Wassserwechsel schlammpt wird bei der Zucht von Krebsen u. Garnelen nicht viel Erfolg verzeichnen.

Sauerstoffgehalt:

   Ein wichtiges Kriterium für die zügige Aufzucht von Garnelen und Krebsen stellt der Sauerstoffgehalt dar. Auch hier muss ich wieder darauf hinweisen, dass eine Filterung mit ausreichender Sauerstoffversorgung und der damit einhergehenden Wasserbewegung

Futter:

    Wichtig erscheint mir, auf die ernährungsphysiologischen Gegebenheiten der Species zu achten, d. h. in den ersten Wochen sollte proteinreiches Futter gereicht werde (>50% des Gesamtgehalts). Erreichen lässt sich dies mit der Verfütterung von Lupine, Sojaschrot, Plankton, Spirulinatabletten (100%ige), Fischfiletstückchen. Nach einem bis zwei Monaten sollte die Ernährung langsam vermehrt auf pflanzliche Kost umgestellt werden (Herbstlaub, Löwenzahn, Brennessel, Spitzwegerich, Erbsen, Möhren, Kürbis, Gurken etc.) Jedoch darf auch hier der Proteinanteil nicht zu stark sinken (Spirulina zufüttern). Eine zusätzliche Gabe von Farbpigmenten hat sich übrigens im Gegensatz zu den Garnelen als unnötig herausgestellt.


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